Besuch bei Galeristin Anna Jill Lüpertz


Wer: Anna Jill Lüpertz, Galeristin und Markus Keibel, Künstler
Wo: Berlin – Moabit

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Das Wohnzimmer von Anna Jill Lüpertz und Markus Keibel in ihrer gemütlichen Altbau-Wohnung

Wenn zwei Menschen zusammen ziehen, dann werden zwei Leben und zwei Haushalte zusammen gewürfelt. Was aber, wenn man die Couch vom anderen eher unbequem oder gar hässlich findet? Als sich die Berliner Galeristin Anna Jill Lüpertz und der Künstler Markus Keibel vor acht Jahren kennenlernten und beide bald darauf beschlossen, sich ein gemeinsames Zuhause in Annas 170 Quadratmeter großen Altbauwohnung zu schaffen, gab es nicht mal den Ansatz einer Diskussion. KUNST-Stück, die Wohnung war nahezu leer.

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Markus Keibel und Anna Jill Lüpertz

Anna Jill Lüpertz: Als ich hier eingezogen bin, hatte ich nichts, außer ein Bett und ein Sofa.
Markus Keibel: Und ich brachte die Sachen mit, die noch fehlten. Das hat sich gut ergänzt.
MyStylery: Seid Ihr immer so harmonisch?
AJL: Meistens (lacht) Die Farrow & Ball-Tapete im Flur stammt noch vom Vorgänger. Wir haben sie dran gelassen, weil wir uns nicht auf eine neue Wandfarbe einigen konnten. Ich liebe Farben, wie die im Wohnzimmer, eine Mischung von alter Seide und DDR-Vorzimmer-Optik.
MK: Stimmt, jede Farbe wird diskutiert. Ich hatte mir wenigstens einen weißen Raum gewünscht. In der Küche konnte ich mich immerhin durchsetzen. Grundsätzlich hätte Anna gern mehr, ich eher weniger.

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Rechts an der Wand die Neon-Installation ’I‘ von Pietro Sanguineti

MS: Mehr oder weniger wovon?
AJL:
Ich liebe Krimskram, sogenannte Steh-Rümchen oder Staubfänger. Vasen zum Beispiel kann ich gar nicht genug haben. Markus räumt immer alles weg und denkt, ich merke es nicht. Ihm ist es wichtig, dass alles überschaubar, sauber und ordentlich ist.
MK: Mir geht Qualität vor Quantität. Und dass die Dinge eine Geschichte erzählen. Den Empire-Sekretär hat meine Großmutter nach Kriegsende mit dem Handwagen durch ganz Vorpommern gezogen. Der begleitet mich wie die Bananenpflanze schon mein ganzes Leben.
AJL: Die anderen Pflanzen haben wir zusammen angeschafft. Markus hat den grünen Daumen.

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Zum elften Geburtstag portraitierte der große A.R. Penck Anna und schenkte ihr das Bild anschließend. Darunter die Hausbar auf einem antiken Nähtisch, in dem Anna heute noch Nadel und Faden aufbewahrt

MS: Was ist Euch beiden wichtig in Eurem Zuhause?
AJL: Das Bett ist für mich der wichtigste Platz. Hier arbeite ich, hier lebe ich. Und Bücher…
MK: …Genau. Unsere Bücher sind unser gemeinsames Sammelsurium. Wohnungen ohne Bücher finde ich befremdlich. Das ist auch ein Ausdruck von Lebensqualität.

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Markus Großmutter zog den antiken Sekretär auf einem Handwagen nach Kriegsende über Hunderte von Kilometern

MS: Seid Ihr in Sachen Kunst immer einig oder gibt es da unterschiedliche Standpunkte?
AJL: Als ich Markus kennenlernte, hatte ich Angst, dass seine Kunst schlimmer Kram sein könnte. Ich habe ihn dann heimlich gegoogelt und war danach total erleichtert.
MK: Ich bin Konzeptkünstler, das ist das Gegenteil dessen, was Anna in ihrer Kindheit durch die Malerei ihres Vaters geprägt hat. Kunst ist eine Frage der Haltung, nicht des Geschmacks. BvH

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Auf der Kommode Annas Vasen-Sammlung, darüber A.R. Penck: ‚Anna mit Pferd‘ von 1980. „Mein Pferd war in Wirklichkeit natürlich viel größer“, sagt Anna lachend

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Über dem Sofa eine Tusche-Zeichnung von Peter Stauss. Rechts und darunter Skizzen von Annas Vater Markus Lüpertz

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„Offensichtlich habe ich einen Bio-Fimmel“, sagt Anna über die gut bestückten ökologisch korrekten Regal-Inhalte ihrer Küche

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Ein Geschenk von Annas Stiefmutter: Küchenstühle von Arne Jacobsen

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An der Wand Familienfotos

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Anna auf dem Balkon ihrer Wohnung in Berlin-Moabit

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Im Flur verwahrt Anna die Reste der Glasmenagerie ihrer Großmutter: „Besonderes Mitleid habe ich mit dem ausgemergelten Tschernobyl-Rehkitz“, sagt Anna und grinst

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Im Bücherregal ein kleines Aquarell, ein Geschenk von Annas Stiefmutter: „Sie sagt, so sehe ich aus, wenn ich Rotwein trinke.“

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Kuschelecke im Schlafzimmer, darüber eine Zeichnung von Peter Stauss. „Links hängt ein alter Stich, den Markus überklebt hat. Eine frühe Arbeit“, erzählt Anna Lüpertz augenzwinkernd

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Herrlicher Stuck, wohin das Auge in dieser schönen Altbau-Wohnung blickt

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Im Schlafzimmer eine neue Arbeit von Markus Keibel: ‚Ultra Amnesia‘, Asche, Guasch, Pigment, Acryl auf Leinwand, 2015

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James Lee Byars: ‚Brief an meine Mutter‘, darunter eine chinesische Kommode mit einer Keramik-Skulptur von Veronika Brovall

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Auf dem asiatischen Schrank im Gästezimmer ein Bild aus dem Familienbesitz: Stillleben mit spanischen Frauen

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Fotoarbeit von Robert Montgomery: ‚Forster-Fire-Poem‘ von 2014

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In der Vitrine im Flur eine Arbeit von Markus Keibel: ‚Lampedusa‘. Die grafische Tapete dahinter stammt noch von der vorherigen Bewohnerin, der Schauspielerin Inga Busch

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Schwarz auf Silber: Eine Arbeit von Markus Keibel. Ohne Titel, Acrylfarbe auf Aluminium. Den alten Esstisch entdeckte Markus in einer Kneipe, darüber eine Leuchte von Moooi

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Die Skateboard-Sammlung von Markus Keibel, der als junger Skater an Europa-Meisterschaften teilnahm und heute noch fährt: „Die stehen hier nicht zur Zierde“, betont Anna lachend

Kontakt:

Anna Jill Lüpertz Gallery
Potsdamerstr. 98a
10785 Berlin
www.ajlgallery.com

Zur Berlin Art Week:

Tableau, 2000-2007, Artist Book by Pola Sieverding
am Mittwoch, den 16. September 2015
Potsdamerstraße 109 / Kurfürstenstraße 28, 10785 Berlin
von 20 bis 24 Uhr

Öffnungszeiten:
17./18./19. September, 12-22 Uhr
20. September, 12-18 Uhr sowie nach Vereinbarung

Aktuelle Ausstellung:
Der Falke glüht am Firmament – Eine Einzelausstellung von Harald Hermann
Ausstellungsdauer:
12. September bis 31. Oktober 2015

Öffnungszeiten:
Dienstag – Samstag 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung

Sonderöffnungszeiten während der Berlin Art Week:
16. September 12 bis 21 Uhr
17. September 11 bis 21 Uhr
18./19. September 12 bis 19 Uhr
20. September 12 bis 18 Uhr

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