Zu Besuch bei Kimberly Marteau Emerson


Wer: Kimberly Marteau Emerson
Wo: Berlin

Teil I

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Elegant: Die US-Residenz, eine weiße Villa im wilhelminischen Stil in Berlin-Dahlem

Morgen ist Thanksgiving – für viele Amerikaner das wichtigste Familienfest des Jahres. Und für Kimberly Marteau Emerson, der Frau von US-Botschafter John B. Emerson, die wichtigste Zeit des Jahres. Ich traf die Anwältin in ihrer Residenz, einer weißen Villa im wilhelminischen Stil, in Berlin-Dahlem. Als Vorstandsmitglied der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch engagiert sich Kimberly Marteau Emerson sehr im Kampf um Menschenrechte und die Gleichberechtigung von Frauen.

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„Eine Menge Zeit und Energie widme ich dem Thema Menschenrechte. Das ist mir sehr wichtig und treibt mich an.“

MyStylery: Kimberly, was macht Thanksgiving so besonders?
Kimberly Marteau Emerson: Thanksgiving wurde ursprünglich im 17. Jahrhundert von den Pilgervätern initiiert – Flüchtlingen, die die ersten Einwanderer in die Neue Welt waren. Amerikanische Ureinwohner halfen den Neuankömmlingen in diesem seltsamen Land, das sie Amerika nannten, zu überleben. Thanksgiving war die Art der Pilger, Danke zu sagen. Da gibt es schon eine Parallele zu dem, was gerade in Deutschland mit den Flüchtlingen passiert. Sie erleben einen großen Wandel und lernen viel in einer neuen Welt – mit der Hilfe von Deutschen, die sie freiwillig dabei unterstützen.

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Sitzecke am Kamin in der US-Residenz in Berlin-Dahlem

MS: Was bedeutet Dir und Deiner Familie Thanksgiving?
KME: Für uns ist es der wichtigste Feiertag des Jahres, ein typisch amerikanischer Feiertag, an dem alle zusammenkommen und gemeinsam kochen. Der zentrale Gedanke ist, gemeinsam das Brot zu brechen und beisammen zu sein. Dankbar sein für das, was wir haben und denen etwas zurückgeben, die weniger haben. Dieses Jahr konzentrieren wir uns auf die Flüchtlinge, außerdem spenden wir für die Berliner Stadtmission und Ärzte ohne Grenzen. Auch Weihnachten ist ein wunderschönes Fest, aber man muss sehr darauf achten, die wahre Bedeutung von Weihnachten nicht zu vernachlässigen, damit es nicht zu materialistisch und kommerziell wird.

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Familienhund Ginger, ein Golden Retriever, heißt mich willkommen

MS: Zurzeit scheint jeder hier in der Residenz ziemlich beschäftigt zu sein …
KME: Das stimmt. Wir geben drei verschiedene Thanksgiving-Essen in dieser Woche, die Küche ist quasi rund um die Uhr mit Vorbereitungen beschäftigt. Es ist besonders schön, dass wir diesen Anlass mit unseren deutschen Freunden teilen können.

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Auf dem Wohnzimmertisch ist die Acryl-Arbeit ‚Love-Hate‘ der Berliner Künstlerin Mia Florentine Weiss zu sehen. Die bestickten Kissen auf den beiden Sesseln sind eine Hommage an Berlin und Los Angeles

MS: Ein Thanksgiving-Dinner ohne Kürbiskuchen geht gar nicht. Verrate mir doch bitte, was Deinen Kuchen so außergewöhnlich macht!
KME: Er wird nach einem Familienrezept gebacken. Mit natürlichen Zutaten, ohne künstliche Zusätze. Das Geheimnis ist die richtige Mischung aus Gewürzen wie Zimt, Muskat und Ingwer. Das gibt dem Kuchen das gewisse Etwas. Anders schafft man es nicht, die Komplexität des Kürbis’ hervor zu holen. Und man sollte versuchen, dem ganzen seinen eigenen, persönlichen Kick zu geben.

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Der Tisch ist schon festlich eingedeckt: „Wir werden diese Woche drei Thanksgiving-Dinner mit ungefähr 150 Kilo Truthahn veranstalten. Wir kennen und mögen jeden einzelnen unserer Gäste.“

MS: Welcher ist das bei Dir?
KME: Ich bevorzuge eine extra Prise Zimt. Und für das Topping nehme ich nur frisch geschlagene Sahne.
MS: Klingt super! Was vermisst Du am meisten an Los Angeles und Deinem Leben in den USA?
KME: Also, ich vermisse natürlich meine Familie und meine Freunde, obwohl ich einige wunderbare neue Freundschaften hier geschlossen habe. Und ich vermisse den Strand und das schöne Wetter. Was ich wirklich nicht vermisse, ist das Autofahren in L.A. und die ewigen Staus (lacht).

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Auf dem Klavier: Familienfotos und Erinnerungen

MS: Und was gefällt Dir an Berlin am besten?
KME: Berlin hat eine ganz besondere Bedeutung wegen seiner Geschichte: Es sind gerade mal 25 Jahre seit dem Fall der Mauer und dem Kalten Krieg davor. Ich liebe die Kreativität der Stadt und der Menschen, die ich hier treffe. Die Mischung aus Altem und Neuem, vorher und nachher. Die Art, mit der Weltkriegs-Vergangenheit umzugehen. Berlin ist eine wunderbare, grüne Stadt mit Ecken und Kanten. Wie New York in den späten Siebzigern, gibt Berlin einem so viel Platz zu wachsen und ist immer noch bezahlbar. Berlin ist einfach cool.

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Der Livingroom: Bemerkenswert ist die Kassettendecke aus alter Eiche

MS: Dein Terminkalender ist komplett voll. Hast Du noch genug Zeit für Familie und Hobbies?
KME: Ich habe weniger Zeit für alles, aber ich lese immer noch sehr gerne Bücher, auch wenn es jetzt etwas länger dauert. Ich verbringe Zeit mit meinen Kindern und es hat absoluten Vorrang, ihnen beim Fußballspielen zuzusehen. Sie begleiten uns zu vielen Veranstaltungen, was das Ganze noch schöner macht. Ich nehme mir auch Zeit fürs Tennisspielen. Das ist nicht nur ein Hobby, das hat auch was mit Gesundheit zu tun. Und John und ich versuchen, an der TV-Serie ‚Homeland‘ dranzubleiben. Eine Szene der letzten Staffel wurde in einer U-Bahnstation unter dem Berliner Reichstag gedreht. Super, oder?

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Bibliothek und kleines Esszimmer

MS: Absolut! Ich bin auch süchtig nach ‚Homeland‘. Davon abgesehen, kannst Du Dich an den letzten gemütlichen Abend erinnern, den Du und John gemeinsam verbracht habt, nur Ihr beide?
KME: Ja, vor einem Monat waren wir auf einer Insel, um unseren 25. Hochzeitstag zu feiern. Wir haben an einsamen Stränden zu Abend gegessen, ohne irgendjemanden sonst in der Nähe. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht daran erinnern, wann wir sowas zuletzt gemacht haben. Wir wissen aber auch, wie prädestiniert wir sind, dass so ein Luxus möglich ist. Jetzt sind wir wieder zurück bei der Arbeit und engagieren uns für die, die nicht so viel Glück haben wie wir. Das ist uns sehr wichtig!

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Die Obamas und die Emersons

MS: Du wirst bereits die Ambassadorable genannt, ein Wortspiel aus Ambassador (Botschafter) und adorable (bezaubernd). Kannst Du Dir vorstellen, eines Tages selbst Botschafterin zu werden?
KME (lacht): Ich habe einige Erfahrung in Außenpolitik, einen Abschluss in Französischem Privatrecht und ich habe zwei Jahre in Frankreich gelebt. Für die Regierung Clinton war ich in der US Information Agency tätig. Natürlich wäre die Möglichkeit, Botschafterin zu werden, eine immense Ehre, aber im Moment denke ich nicht weiter darüber nach. Jetzt unterstütze ich John dabei, den bestmöglichen Job als Botschafter zu machen.

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Die Emersons sind Kunst-Enthusiasten. In der Residenz haben sie in Kooperation mit dem ‚US Department of State’s office of Art in Embassies‘ eine Sammlung von abstrakter und gegenständlicher Kunst unterschiedlicher Medien zusammen getragen. Hier die Arbeit ‚In Every City‘ von Martinez

MS: Johns Amtszeit endet offiziell am 20. Januar 2017 …
KME: … Aber zum Glück bleibt uns noch ein ganzes Jahr und wir haben noch viel zu tun. Wir haben eine große Zuneigung zu Deutschland und speziell zu Berlin. Dies ist ein ganz wichtiges Kapitel in unserem Leben, wir sind noch nicht bereit zu gehen. BvH

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Kimberly Marteau Emerson und ich

Kontakt:

www.hrw.org

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