Kaffee oder Tee, Judith Rakers?


Wer: Judith Rakers, TV-Moderatorin
Wo: Berlin

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Judith und ich bei einer Tasse Morgentautee: „Gut, dass Du den Teebeutel rechtzeitig rausgenommen hast. Ich hätte das wahrscheinlich erst nach einer halben Stunde festgestellt und mich dann über den Geschmack gewundert.“

Sie ist „fertig“, sagt sie. Obwohl sie nicht so aussieht. Mitten im Umzug und die Kartons nur zur Hälfte ausgepackt, sitzt mir Judith Rakers mit einem strahlenden Lächeln gegenüber. Ich kenne Miss Tagesschau schon bevor sie 2005 begann, allabendlich die nationale und internationale Nachrichtenlage in den deutschen Wohnzimmern zu verkünden. Wir sitzen in der Clublounge im elften Stock des Sofitel-Hotels am Kurfürstendamm und blicken über den Westen Berlins. Die Moderatorin wohnt hier, wenn sie in der Hauptstadt zu tun hat. Immer im selben Zimmer, in dessen Boxspring-Bett sie so gut schläft, dass sie sich eines für ihr neues Hamburger Domizil gekauft hat. Als erstes bestellt Judith eine Portion Rührei mit Kräutern.

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Kaffee oder Tee? „Erstmal einen Café Latte.“

MyStylery: Judith, trinkst Du auch einen Tee?
Judith Rakers: Ich brauch‘ jetzt erstmal einen Café Latte. Ich trinke literweise Kaffee, das ist zwar total ungesund, aber meinen ungeregelten Arbeitszeiten und den vielen Nachtschichten geschuldet. Die enden morgens um sechs, tagsüber schlafe ich. Und Süßes. Süßes muss sein.
MS: Süßes?
JR: Ich bin der totale Zucker-Junkie, der regelmäßig den Redaktions-Automaten mit den Süßigkeiten plündert. Gerade nachts brauche ich Zucker, sonst stehe ich das nicht durch.
MS: Judith, Du überraschst mich…
JR: Ja, das habe ich schon öfter gehört (lacht) – wobei ich mich seit einigen Jahren zunehmend zusammenreißen muss. Früher konnte ich alles essen was ich wollte. Als ich 35 wurde, war das plötzlich anders, jetzt mit 40 ist es noch drastischer geworden, da brauche ich eine Tafel Schokolade nur anzuschauen und habe ein Kilo mehr drauf.
MS: Und wenn es mal etwas herzhaftes sein soll?
JR: Dann am liebsten Peking-Ente, das ist mein absolutes Lieblingsgericht. Am besten im Peking-Enten-Haus in der Rentzelstraße in Hamburg. Ein Restaurant, das mit Sicherheit nie Designpreise bekommen wird – es ist ein fensterloser Laden zwischen einer Tankstelle und einem Stundenhotel. Aber das Essen ist phantastisch.

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Wer sagt denn, dass man mit Tee nicht anstoßen kann?

MS: Kochst Du auch mal selber?
JR: Ich am Herd? Lieber nicht (lacht). Bei uns ist mein Mann der Koch. Er liebt es zu kochen und ich liebe es, dabei zuzusehen.
MS: Dabei hast Du in Deiner neuen Wohnung so eine tolle Küche…
JR: Und glücklicherweise ein gemütliches Sofa in der Nähe, von dem aus ich alles beobachten kann. Wir haben in unserer Altbauwohnung nach vorne raus die Wohnräume, daran schließt ein langer Flur und hinten befinden sich die Schlafräume. Hamburger Knochen nennt man diese Grundrisse.
MS: Und Ihr habt selber saniert …
JR: … Ja, ich war total froh, als der Makler sagte, es handelt sich um eine unsanierte Wohnung. Wir konnten machen, wie wir wollten. Die Wohnung war komplett mit Teppich zugeklebt, so dass wir gar nicht wussten, was uns darunter erwartet. Glücklicherweise ein  schönes altes Dielenparkett. Der Nachteil einer Altbauwohnung ist die Hellhörigkeit. Unsere Nachbarn über uns haben manchmal ihr Enkelkind zu Besuch, da wackeln dann die Wände.

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„Ich bin nicht die Frau, die nach Saint Tropez muss, um sich da am Strand zu rekeln. Ich mache lieber Urlaub auf dem Bauernhof. Ich liebe es, in die Lüneburger Heide oder nach Rügen zu fahren.“

MS: Macht das Lust auf eigene Kinder?
JR: Wenn’s sich ergibt, dann gerne. Ohne jeden Druck. Ich habe viele unterschiedliche Jobs, für die ich reisen muss. In unserem Privatleben ist so viel, das uns mit Liebe erfüllt. Ich spüre deswegen in mir keine Leere, so wie es eine Freundin beschrieben hat, dass sie sich noch nicht komplett fühlt.
MS: Glaubst Du, Du wirst es mal bereuen, wenn Du keine Kinder bekommst?
JR: Ich weiß es nicht. Mein Mann und ich sind uns da glücklicherweise einig. Manchmal frage ich mich, ob sich an meiner Einstellung etwas ändert, wenn mein Vater mal stirbt. Ich bin ja bei ihm aufgewachsen und habe eine ganz starke, emotionale Bindung zu ihm. Ich liebe ihn über alles.

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Schöne Aussichten aus der Clublounge des Sofitel-Hotels in Berlin

MS: Auch zu Deiner Schwiegermutter hast Du ein enges und gutes Verhältnis. Sie hat Dir sogar bei der Gestaltung Eurer Wohnung geholfen.
JR: Stimmt. Sie ist Interior-Designerin und vertreibt unter ihrem Namen Christine Pfaff auch eigene Möbel. Sie macht wahnsinnig tolle Projekte – auch international und ist unglaublich geschmackssicher. Wir haben ihr ein Motto für die Wohnung gegeben: Sie sollte den Himmel in die Wohnung zu holen und sich ein bisschen an dem Interior des Hotels „JK Place“ auf Capri orientieren.
MS: Soviel familiäre Nähe bei einem solchen Projekt: Gab’s denn da mal Meinungsverschiedenheiten zwischen Euch?
JR: Meine Schwiegermutter braucht immer Schwarz als Basis, wovon ich zunächst nicht so begeistert war. Nun haben wir eine tolle Mischung aus Blau, Weiß und Schwarz. Und sie hatte Recht: Selbst die schwarze Küche sieht großartig aus. Für das Badezimmer hat sie extra für mich einen schwarz-weiß gestreiften Schmink-Tower entworfen mit einem großen, beleuchteten Spiegel. Der Luxus-Nachfolger des Alibert sozusagen (lacht). Ich habe so viel Zeugs, allein eine ganze Schublade voll mit Lidschatten. Für alle Jobs benutze ich mittlerweile meine eigenen Produkte, denn im Laufe der Zeit reagierte meine Haut allergisch auf die unterschiedlichen Inhaltsstoffe.
MS: Hat Deine Haut im Laufe der Jahre sehr gelitten?
JR: Auf jeden Fall, nicht nur das viele Schminken, auch die unregelmäßigen Arbeitszeiten haben dazu beigetragen. Das pausenlose Abpudern findet die Haut auf die Dauer auch nicht lustig. Sobald die Nase auch nur ansatzweise glänzt, kommt sofort die Puderquaste zum Einsatz.

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Lust auf Süßes? Unbedingt! Wir entscheiden uns für ein köstliches Zitronentörtchen …

MS: Bist du ein Mensch, der grundsätzlich das Vertraute sucht oder jemand, der Veränderungen mag?
JR: Ich glaube, ich bin eher jemand, der die Veränderung liebt. Ich bin z.B. ziemlich oft umgezogen in meinem Leben und alle fünf Jahre denke ich, es ist Zeit für einen neuen Job. Ich brauche immer irgendwelche Projekte, an denen ich rumpuzzeln kann. Das setzt Energie frei in mir, während ich Stillstand fast als bedrohlich empfinde. Mein Mann ist da ganz anders. Er kann den Status quo viel besser genießen. Veränderung ermüdet ihn eher. Ich glaube, das ist die Jungfrau in ihm (lacht).
MS: Und wie verträgt sich das?
JR: Mein Mann und ich sind total unterschiedlich, wie Yin und Yang. Es gibt nur wenige Bereiche, in denen wir ganz ähnlich sind, aber dadurch wird es bei uns nie langweilig.

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Blick auf’s Kranzler-Eck

MS: Du wirkst wie ein Duracellhase mit all Deiner Power. Entspannst Du Dich auch mal?
JR: Ja, wenn ich Zeit dafür habe. Am liebsten mit reiten. Wir haben drei eigene Pferde. Manchmal schaffe ich’s fünf Mal die Woche, zu ihnen raus aufs Land zu fahren, dann wieder zwei Wochen gar nicht. Wenn ich Dokumentationen drehe und dafür zum Beispiel eine Woche im Frauengefängnis bin, werden die Pferde durch unsere Trainerin versorgt. Aber mir fehlt das dann schon sehr: Reiten erdet mich und baut mich emotional auf. Es ist sehr schön, dass ich das zusammen mit meinem Mann erleben kann, das hat viel Verbindendes. Und wir lieben das Landleben auf Rügen – dort einen Bauernhof zu haben für uns und unsere Pferde, das ist unser großer Traum. Ich kann aber auch gemütlich zu Hause auf dem Sofa liegen, mit meinem Mann Filme schauen und dabei Chips essen. Herrlich.
MS: Und was tust Du, um die Chips wieder abzutrainieren?
JR: Seit einiger Zeit mache ich EMS – Elektro-Stimulations-Training, bei dem man mit dem eigenen Körpergewicht trainiert während die Muskulatur unter Strom gesetzt wird. Sehr effektiv. 20 Minuten Training ersetzen anderthalb Stunden Sport. Ich bin beim gleichen Trainer, zu dem auch Silvie Meis geht, nur das bei mir keine Paparazzi in den Hecken hängen.

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Arm in Arm mit Judith, die ein Kleid von Paul Smith trägt. „Ich mag Dior, gerne auch mal Escada, Talbot Runhof oder Kilian Kerner. Die Sachen werden mir für bestimmte Anlässe geliehen und anschließend schicke ich sie wieder zurück. Privat mag ich auch gerne Stella McCartney. In meiner Freizeit brauche ich gar nicht so viel, da bin ich ja meistens auf dem Land.“

MS: Als Miss Tagesschau wirst Du überall erkannt. Ist das manchmal lästig?
JR: Nein, was sicher auch an dem Sujet liegt. Big Brother-Teilnehmer haben da vermutlich andere Erfahrungen. Mir begegnen die Menschen immer sehr respektvoll und freundlich. Lustig ist es immer, wenn die Distanz fehlt, weil die Leute glauben, mich zu kennen, da ich ja seit 11 Jahren quasi in ihr Wohnzimmer komme. Da gibt es dann schon mal Situationen, in denen ältere Damen meine Hand nicht mehr loslassen und mir ihre ganze Lebensgeschichte erzählen wollen.
MS: Wie hat sich Dein Leben in den letzten Jahren verändert?
JR: Wir haben neulich gerade überlegt, wie unser Leben vor den Pferden war. Samstags waren wir shoppen, saßen in Straßencafés, abends sind wir Essen gegangen. Das machen wir überhaupt nicht mehr. Ich bin vielleicht einmal im Jahr in der Stadt, ehrlich gesagt shoppe ich – wenn überhaupt – im Internet. Unser Leben ist jetzt so viel reicher. Ich möchte es nicht missen.
MS: Was wünscht Du Dir für die Zukunft?
JR: Das wir gesund bleiben. Bei einem Freund von uns wurde gerade Krebs diagnostiziert. Es kann manchmal so schnell gehen. Nichts ist selbstverständlich. Das ist auch der Denkfehler, den wir mit Rügen machen und dem Bauernhof, den wir da gerne bauen wollen. Man darf nicht denken, dass das Glück kommt, wenn dort alles fertig ist. Das Glück ist da, wir müssen es jetzt finden und in der Gegenwart leben. BvH

There are 2 comments for this article
    • Birgit von Heintze Author at 10:11

      Danke, liebe Michaela, das freut mich sehr! Manchmal gibt es Interview-Partner,die eigentlich nichts erzählen möchten. Bei Judith war das anders. Sie ist außerdem sehr lustig, was man vielleicht nicht erwartet, wenn man sie lediglich aus der Tagesschau kennt.Viele Grüße!

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