Was isst Madonna am liebsten, Mayumi Nishimura?


Wer: Mayumi Nishimura, Starköchin
Wo: Berlin

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Madonnas Privatköchin Mayumi Nishimura und ich in dem japanischen Restaurant Ula in Berlin

Mayumi Nishimura scheint alterslos zu sein. Kaum vorstellbar, dass die aufgeschlossene Japanerin mit der glatten Haut die 60 schon beinahe überschritten hat. Die Tatsache, dass Mayumi acht Jahre lang für Popikone Madonna gekocht hat – mit Sicherheit ein ziemlich anstrengender Job – ändert nichts an dem frischen Aussehen der Spezialistin für makrobiotische Küche. Ich treffe Mayumi in dem japanischen Restaurant Ula in Berlin. Hier kocht die mittlerweile auch als Kochbuchautorin erfolgreiche Mayumi Nishimura für die nächsten zwei Wochen die Lieblingsrezepte von der Queen of Pop und deren Familie. Ich genieße ein köstliches, komplett fleischloses Menü und erfahre dabei, wie makrobiotische Ernährung unser Leben – und das von Madonna verändert.

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Für zwei Wochen noch kocht Mayumi Nishimura im ‚Ula‘ ein makrobiotisches Menü, mit dem sie sonst den Gaumen der Popikone verwöhnt

MyStylery: Mayumi, bislang glaubte ich, makrobiotische und vegane Küche seien identisch. Es gibt aber doch einen Unterschied?
Mayumi Nishimura: In der makrobiotischen Küche wählt man das Essen, das man möchte. Wir sagen nicht, du musst ausschließlich vegan essen. Wenn du Lust auf Eier oder Fisch hast, dann ist das okay. Getreide, Samen, Bohnen und Gemüse sind jedoch die wesentlichen Bestandteile, wir verzichten komplett auf Zucker, selbst auf Honig und süßen stattdessen mit Ahornsirup. Der Fokus liegt auf lokalen, saisonalen und ausgewogenen Zutaten nach dem Yin und Yang-Prinzip. Makrobiotik bedeutet letztendlich ganzheitliche Ernährung.

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Das Auge isst bekanntlich mit: Vegane Gyōza (japanische Maultasche), mariniertes Gemüse und Nasu Dengaku (gegrillte Miso-Aubergine)

MS: Was hat Sie dazu gebracht, makrobiotisch bzw. vegan zu kochen?
MN: Ich habe mal ein Kochbuch zum Thema „Zen Macrobiotic“ gelesen, was mich überzeugte. Ich wollte mehr wissen und tiefer einsteigen in die Philosophie. Also habe ich Japan verlassen und ging nach Boston, wo ich bei Michio Kushi studierte. Das war Anfang der 80er Jahre, in denen es die ersten Aids-Opfer gab. Ich traf einen Aidskranken, der sich entschieden hatte, seine Ernährung komplett auf Makrobiotik umzustellen. Er lebte dann noch gute 30 Jahre. Natürlich ist diese Ernährung nicht nur für kranke Menschen.

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Zweiter Gang: Zwiebelsuppe auf Miso-Basis

MS: Sie waren jahrelang die Privatköchin von Madonna. Wie kam es dazu?
MN: Durch Empfehlung. Madonna fragte mich, ob ich es nicht mal mit ihr für ein Wochenende versuchen wollte. (lacht) Rocco war damals neun Monate alt und Lourdes wurde fünf. Als Madonna bald darauf ihre nächste Tour startete und anschließend einen Film drehte, wurde ich festes Mitglied der Entourage. Ich begleitete sie auch nach London, was mir nicht leicht fiel, denn ich lebte seit 17 Jahren in New York als alleinerziehende Mutter einer 17jährigen Tochter. Aber mein Kind ermutigte mich, die dargebotene Chance zu ergreifen.

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Der Algensalat in Sesam-Dressing – angerichtet auf diesem wunderschönen, goldfarbenen Teller – schmeckte mir besonders gut

MS: Ich bin ziemlich neugierig. Erzählen Sie uns ein bisschen über die Essgepflogenheiten der Familie Ritchie-Ciccone.
MN: Anfangs aß Madonna nie mit den Kindern. Sie waren ja noch ziemlich klein und Madonna isst gerne spät. Es war in erster Linie Guy Ritchie, der auf makrobiotische Ernährung umsatteln wollte. Dann hatte er doch wieder das Bedürfnis nach Fleisch. Auch Madonna und die Kinder aßen es ab und zu. Für mich war es übrigens das erste Mal in meinem Leben, das ich Fleisch zubereitete. Ich hatte keine Ahnung von der westlichen Küche. Guy Ritchie hat mir dann gezeigt, wie es geht. (lacht)
MS: Das muss eine merkwürdige Erfahrung für Sie gewesen sein, denke ich mir.
MN: Und wie! Man braucht viel mehr Zeit für die Zubereitung eines Gemüsegerichts. Abgesehen davon habe ich drei Monate benötigt, um mich an den Geruch von gebratenem Hühnchen zu gewöhnen. Ich habe sogar mal Lammkoteletts probiert.
MS: Und wie war das für Sie?
MN: Nicht so mein Fall, muss ich gestehen.

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Mayumi Nishimura (hier in einem Denim-Kimono) ist eine Meisterköchin der makrobiotischen Küche. Tierische Eiweiße sind verpönt, weshalb die Makrobiotik aufgrund ihrer beschränkten Zutaten wie Getreide, Körner, Vollkornreis und Gemüse nicht ganz unumstritten ist

MS: Meine Kinder mochten früher alles, was nicht gesund war, wie zum Beispiel Pizza und Pasta. Wie war das mit Rocco und Lourdes?
MN: Damals aßen sie, was ich kochte. Madonna achtet immer sehr auf ihre Figur und isst nie Fastfood. Wenn die Kinder dann doch mal einen Burger wollten, habe ich versucht etwas zuzubereiten, was so aussah wie ein Burger. Selbstverständlich aus Vollkorn und nur den besten Zutaten. Ich sage Ihnen, Brot sind leider nur überflüssige Kalorien.

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Gang Nummer vier war richtig köstlich: In Reismehl frittierte Gemüse mit knusprigen Austernpilzen

MS: Arbeiten Sie heute auch noch für Madonna?
MN: Ja, immer dann, wenn ihr jetziger Küchenchef Urlaub macht. Ich begleite sie auch auf ihren Tourneen.
MS: Ist es mühsam, Madonnas Ansprüchen gerecht zu werden?
MN: Ja und nein. Ich habe immer frei entschieden und schließlich acht Jahre fest für sie gearbeitet. Ich wünschte, sie hätte häufiger konkrete Wünsche geäußert. Stattdessen gab es ab und zu Hinweise ihres Assistenten, ich solle doch mal wieder etwas Neues ausprobieren.

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Gang Nummer fünf ist eine vegetarische Sushiplatte mit Madonnas Lieblingsgericht, der Avocado-Rolle inside-out

MS: Entspricht das Menü, das zurzeit im Restaurant Ula angeboten wird, einem typischen Madonna-Dinner?
MN: Madonna isst weniger aufwendig. Als Vorspeise meist ein Suppe, gefolgt von Gemüse als Hauptgang, das ist alles. Am liebsten isst sie Avocado-Rolle inside-out und sie liebt Quinoa.
MS: Was mag sie gar nicht?
MN: Wie die meisten Menschen vermeidet sie tropische Früchte. Sie bevorzugt lokale und saisonale Obst- und Gemüsesorten.

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Hauptgang: Gebratenes Tofu-Steak mit Rettichpürree war ehrlich gesagt nicht so meins. Dafür schmeckten die anderen Gerichte umso besser

MS: Wie lautet Ihr ultimativer Tipp um gesund zu bleiben?
MN: Man sollte sich immer darüber bewusst sein, was man konsumiert und in welcher Kombination. An unverträglichem Essen arbeitet der Körper tagelang. Das kostet eine Menge Kraft und Energie. Nach zehn Tagen makrobiotischer Ernährung merkt man bereits erste Unterschiede, nach drei Monaten hat sich das Blut erneuert, nach sieben Jahren die Körperzellen und die Haare. Makrobiotik ist ein Werkzeug, um herauszufinden, was dein Körper braucht.

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Zum Abschluss das Dessert, ein traditionelles Gericht der japanischen Küche: Amazake Kanten ist ein süßlicher Pudding aus vergorenem Reis mit Ahornsirup als Topping

MS: Wie sehr hat Ihre Tätigkeit für Madonna Ihr eigenes Leben beeinflusst?
MN: Madonna gab mir die Gelegenheit, Ernährung aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Ich war bereits 45 Jahre alt, als ich zum ersten Mal in meinem Leben Mozarella verarbeitete. Es ist vermutlich ein ähnliches Erlebnis, wenn jemand das erste Mal mit Tofu in Berührung kommt. Heute benutze ich zum Kochen auch Kräuter wie Basilikum. Madonnas Leben ist vier oder fünfmal schneller als das Leben anderer. Ich finde das bewundernswert. Neulich traf ich Rocco und seine Freunde in London, wo ich immer noch lebe. Ich fühle mich wie ein Teil der Familie. Madonna wünsche ich nur das Beste. BvH

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Vielen Dank für diesen kulinarischen Ausflug, liebe Mayumi Nishimura! Ich bin überrascht, was für eine geschmackliche Vielfalt die makrobiotische Küche zu bieten hat. Werde ich jetzt doch noch Veganer? 😉

Info:

Mayumi Nishimura arbeitet heute für die Londoner Im-und Export Firma Clearspring, die sich auf qualitativ hochwertige Nahrungsmittel aus Europa und Japan spezialisiert hat. Mayumi ist Autorin zahlreicher Kochbücher, eines davon in Englisch, alle jeweils mit einem Vorwort von Madonna. Im Mai 2017 plant Mayumi Kochkurse in Berlin anzubieten.

Kontakt Mayumi Nishimura:

niimimayumi813@gmail.com

 

Kontakt Ula:

www.ula-berlin.de

 

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