Tapas zum Tee, Daniel Brühl?


Wer: Daniel Brühl, Schauspieler
Wo: Berlin

Daniel Brühl _ Meet me 4 Tea _ MyStylery _ Fotos Eva Schroewig _ (2)

Daniel Brühl und ich in seiner Berliner Tapas-Bar Raval. Wir trinken Tee aus handbemalten Tassen von KPM

Das Image des netten jungen Mannes, dem Traum aller Schwiegermütter bedient Daniel Brühl schon lange nicht mehr. Der Schauspieler, der mit dem Film Good Bye, Lenin! seinen großen Durchbruch hatte, ist mit internationalen Produktionen wie Inglourious Basterds, Rush, The First Avenger und Colonia Dignidad in Hollywood angekommen. Ich treffe Daniel César Martín Brühl González – wie er mit vollem Namen heißt – in seiner Tapas-Bar Raval in Berlin-Kreuzberg. Der Mann mit den spanischen Wurzeln – seine Mutter ist Spanierin, der Vater Deutscher – ist zurzeit nicht nur international gefragtester deutscher Schauspieler. Seit 2011 ist Daniel Brühl auch Gastronom. Das mehrsprachige Multitalent möchte eigentlich über seine neuen Tapasboxen sprechen und schaut überrascht, als ich meine Teetassen auspacke und Tee einschenke.

MyStylery: Herr Brühl, ich hoffe, Sie mögen Tee?
Daniel Brühl: Ja gerne. Wie heißt die Sorte?
MS: Das ist Morgentautee, eine Kräutermischung mit grünem Sencha, Sonnenblumen-, Kornblumen-  und Rosenblüten.
DB: Ah ja, den bestelle ich mir, wenn ich mit der Deutschen Bahn unterwegs bin. Ich trinke gerne Tee.
MS: Sie sind in Spanien aufgewachsen. Spanien ist doch eher eine Kaffeenation.
DB: Stimmt. Aber meine Mutter ist eine große Teetrinkerin. Deshalb bin ich hauptsächlich großgeworden mit Earl Grey und Assam. Jetzt habe ich gerade Kusmi-Tee für mich entdeckt, die haben echt tolle Mischungen, zum Beispiel den Detox-Tea.

Earl Grey und Assam

MS: Die meisten meiner Interview-Partner kommen ohne ihre morgendliche Koffeindosis nicht in die Puschen.
DB (lacht): So ist es. Aber am Nachmittag kommt Tee in die Tasse. Wenn ich in England drehe, trinke ich fast ausschließlich Tee, am liebsten „white“, also mit Milch, wie ihn die meisten dort trinken. Ich beobachte bei meinen englischen Freunden, dass sie instinktiv den Beutel zum richtigen Zeitpunkt rausnehmen. Die haben das scheinbar in ihrer DNA. Wenn ich selber Tee ziehen lasse, stelle ich immer die Stoppuhr daneben, um nicht den richtigen Zeitpunkt zu verpassen. Sie haben übrigens schöne Tassen mitgebracht.
MS: Die sind von KPM. Jede einzelne dieser Tassen ist ein Unikat, wo sich der Künstler mit seinem Zeichen verewigt hat.
DB: Ah wow! Große Tassen haben ja auch Einfluss auf den Geschmack. Wenn man unseren Gin Tonic nach spanischer Tradition aus Ballongläsern trinkt, entfaltet er sein Aroma viel besser und schmeckt anders, als aus einem Longdrinkglas.

Daniel Brühl _ Meet me 4 Tea _ MyStylery _ Fotos Eva Schroewig _ (1)

Daniel Brühl: „Grundsätzlich bin ich ein positiver Mensch, aber es gibt Dinge, die mir gegen den Strich gehen. Ich kann dann aufbrausend und auch mal muffelig sein.“

MS: Ihr Gin kommt aus Spanien? Hat der Gin ursprünglich nicht französische bzw. englische Wurzeln?
DB: Die Engländer haben den Gin nach Spanien gebracht und die Spanier lieben Gin Tonic. Auf Menorca wird heute ein ganz ausgezeichneter Gin Mare mit Aromen des Mittelmeers wie Thymian und Rosmarin gebrannt.
MS: Wie wurden Sie zum Gastronom? Bekommen Sie zu Hause nicht genug zu essen?
DB (lacht): Ich hatte Heimweh nach Spanien und damit ziemlich egoistische Beweggründe. Außerdem vermisste ich die Gerichte meiner Mutter, als ich mit 20 Jahren von Köln nach Berlin ging. Das sind Gerichte, die nur sie so kochen kann, obwohl sie mir am Telefon genau sagt, was zu tun ist.

MS: Einige Ihrer Schauspielerkollegen gingen in Ermangelung neuer Filmangebote in die Gastronomie. Das ist bei Ihnen erkennbar nicht der Fall.
DB: Ich mache das aus echter Leidenschaft. Ein Stück Spanien nach Deutschland gebracht zu haben, macht mich total glücklich. Ich war von Anfang an nicht so naiv zu glauben, dass die Gastronomie ein zweites Standbein werden könnte.
MS: Sie expandieren. Bald gibt es eine Tapas-Dependance in Berlin-Prenzlauer Berg. Sehen Sie sich als späteren Kneipier, der an der Theke das Bier zapft?
DB (lacht): Nee, das überlasse ich dann doch lieber den Profis. Mit mir in der Küche oder an der Theke wären wir wahrscheinlich schon bankrott.

Daniel Brühl liebt Gin aus Spanien

MS: Seit neuestem kann man Ihre Tapas & Co online bestellen. Per Knopfdruck kommt spanische Küche auf den deutschen Esstisch.
DB: Wenn ich aus Barcelona zurückkomme, ist der halbe Koffer voll mit Produkten, die ich in Spanien so gerne esse und die es hier nicht gibt, die mich an meine Kindheit und Jugend erinnern, zum Beispiel Espinaler, eine scharfe Sauce, die man zu kalten Miesmuscheln serviert, Paprikapulver drüber, fertig. Das ist das klassische Gedeck beim Fußballschauen. Meine Kumpels lieben das.
MS: Sind Sie Fußballfan? Für welchen Verein begeistern Sie sich?
DB: Ganz klar Barcelona. Sie sind aus dem Norden, oder?
MS: Ja, in Lübeck geboren.
DB: Ich mag den norddeutschen Akzent so gerne, der viel schöner ist, als der Kölner. Viele meiner Freunde kommen aus dem Hamburger Raum.

Daniel Brühl _ Meet me 4 Tea _ MyStylery _ Fotos Eva Schroewig _ (3)

„Mich nervt das Klischee über Spanien: Mallorca, Paella, Stierkampf. Dabei ist Spanien so viel mehr“, sagt Daniel Brühl

MS: Danke für das Kompliment! Sind Sie denn ein Online-Shopper?
DB: Ich werde es immer mehr. Essen zu bestellen ist praktisch. Auf Ebay entdecke ich manchmal die schrägsten Sachen. Trotzdem unterstütze ich gerne lokale, kleine Läden in meinem Kiez.
MS: Und Ihr Lieblingsgericht?
DB: Bei Pimientos de Padrón oder Boquerones kann ich nicht nein sagen. Unschlagbar ist der Schinken vom Iberico Schwein, das ganze á la Minute angebraten. Einfach lecker!
MS: Kochen Sie selber?
DB: Ja, obwohl ich immer wieder feststelle, wie begrenzt ich in meinen Möglichkeiten bin. Da ist noch viel Luft nach oben. Wenn ich koche, dann am liebsten schwarzen Reis.

MS: Sie haben in der letzten Zeit viel im Ausland gedreht. Wäre Hollywood auch privat eine Option für Sie?
DB: Ich war gerade drei Monate in Los Angeles und habe gemerkt, dass ich selber schon sehr europäisch bin. Mir fehlen dort bestimmte Traditionen, die Geschichte und die Abwechslung, die ich in Europa auf kleinstem Raum erleben kann. Ich bin schließlich selber zwischen zwei Kulturen aufgewachsen. Und ich liebe Italien und Frankreich sehr.
MS: Als Produzent sind Sie bereits aktiv, wie wäre es mit Regie?
DB: Wenn es eine Geschichte gibt, die ich unbedingt erzählen möchte, warum nicht? Ich bin ein sehr rastloser Typ. Als Produzent kann ich mich jetzt schon kreativ ausleben. Das fehlt mir als Schauspieler manchmal.

Vaterfreuden

MS: Sie werden ja demnächst Vater. Was wünschen Sie sich für Ihr Kind?
DB: Ich bin sehr privilegiert, das ich in so einer tollen Familie großgeworden bin. Wenn ich das weitergeben kann, was mir vorgelebt wurde, bin ich glücklich.  BvH

Kontakt:

barraval.com

Fotos: Eva Schroewig

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