Zu Besuch bei Frankreichs berühmtesten Bildhauer Bernar Venet


Wer: Bernar Venet, Bildhauer
Wo: Le Muy, Frankreich

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Giganten aus Stahl: Die 200 Tonnen schwere Installation „Effondrement of Arcs“

Als ich kürzlich mit meinen Freunden, Kunstsammler und Mäzene aus Recklinghausen, ein Geburtstagswochenende in Südfrankreich verbrachte, kam es zu einer besonderen Begegnung: Ich lernte den französischen Künstler Bernar Venet kennen, einen der international herausragenden Bildhauer der Gegenwart. Seine monumentalen Stahlskulpturen zieren weltweit die Metropolen – von New York bis Paris. In Berlin steht seit 1987 der Stahlbogen „Arc de 124,5°“ an der Urania, ein Geschenk Frankreichs zur 750-Jahr-Feier der Stadt.

Wenn ich die kolossalen Stahlskulpturen Bernar Venets betrachte, stellt sich mir sofort die Frage, wie die einzelnen, tonnenschweren, ineinander verschlungenen Fragmente gebogen werden. Wohl kaum per Hand. Bernar Venets Antwort: „Mit dem Kran.“ Begleitet mich und Bernar Venet auf einen exklusiven Spaziergang durch seine Kunststiftung in der Provence.

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In der ehemaligen Fabrikhalle sind frühe Werke von Bernar Venet aus den Jahren 1961 bis 1966 zu sehen, Bilder und Reliefs von 1976-1984 sowie die „Indeterminate Surfaces“, die zwischen 1995 und 1999 entstanden sind

Vor drei Jahren gründete Bernar Venet, der sich 1963 entschloss, das „d“ aus seinem Vornamen zu streichen, seine Stiftung. Das künstlerisches Refugium des Bildhauers, der neben Pierre Soulages, Martial Raysse oder Robert Combas zu den Nachkriegskünstlern Frankreichs mit den höchsten Auktionsergebnissen zählt, liegt abseits vom Trubel der Côte d’Azur in Le Muy, einem kleinen Ort oberhalb von Cannes und Saint-Tropez.

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„Ich arbeite 28 Stunden täglich, neun Tage die Woche“, sagt Bernar Venet, der 1977 auf der Documenta in Kassel ausstellte und im Jahr drauf auf der Bienale in Venedig

Auf dem Gelände einer ehemaligen Fabrik und einer Wassermühle aus dem 16. Jahrhundert fand Bernar Venet einen Ort, der es ihm ermöglichte, drei Dinge zu verbinden: Erstens seine gigantischen Arbeiten in einer hangarartigen Halle und einem Skulpturenpark auszustellen. Zweitens seine bedeutende, minimalistische Kunstsammlung erstmals öffentlich zu zeigen. Und drittens so große Formate zu produzieren wie noch nie zuvor.

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Meine Gastgeber Bernar und Diane Venet

Bernar Venet und seine Frau Diane haben es sich mit der „Venet Foundation“ zur Aufgabe gemacht, auch Arbeiten anderer befreundeter Künstler wie Donald Judd, Sol Lewitt, Dan Flavin der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und zu zeigen. Auf unserem Spaziergang durch das fünf Hektar große Anwesen, das er 1989 kaufte, schlendern wir vorbei an Arbeiten von Anthony Caro, Carl Andre, Richard Long, Tony Cragg, Tony Smith, Philip King, Robert Morris, Larry Bell and Ulrich Rückriem – und der Kapelle, die Frank Stella für den Skulpturenpark baute und mit Reliefs aus Metallfragmenten ausstattete.

2017 wird zudem der US-Künster Fred Sandback mit der Einzelausstellung „Pedestrian Space“ geehrt. Und gelegentlich wird die Sammlung Bernar Venets um neue Exponate ergänzt. Wobei das größte Werk im Park von Venet selbst geschaffen wurde: eine 200 Tonnen schwere Skulptur aus Stahlbögen, die übrigens nicht das Ergebnis einer mathematischen Berechnung sind, sondern dem Zufall folgen. Da stehe ich also, tauche ein in die südfranzösische Landschaft, lausche dem Rauschen des Flusses Endre, bemerke das Zirpen der Grillen und kann meinen Blick nicht abwenden von diesen Giganten aus Stahl.  BvH

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In der Fabrik erschließen sich dem Besucher immer wieder überraschende Sichtachsen

Besuch der Bernar Venet-Stiftung:

Geführte Touren werden im Sommer (bis 15. September) Donnerstagnachmittag und ganztägig Freitag angeboten. Dauer der Führungen ca. 1,5 Stunden. Nur mit Online-Voranmeldung zu vorgegebenen Terminen möglich. Eintritt 15 Euro. Weitere Informationen unter venetfoundation.org.

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Die Einzelausstellung 2017:

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In der Galerie wird 2017 die Einzelausstellung „Pedestrian Space“ des US-Künstlers Fred Sandback gezeigt …

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… der Blick aus der Galerie gibt den Blick frei auf die monumentalen Arbeiten Bernar Venets

Der Skulpturenpark:

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Blick auf die ehemalige Fabrik, die heute Zentrum der Bernar Venet Stiftung ist – davor Arbeiten des Künstlers

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Der Pool im Park ist ein Entwurf des befreundeten Künstlers François Morellet von 2008

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„Jede meiner Arbeiten beginnt mit einem 30 bis 40 Zentimeter großen Modell. Daran sehe ich, was künstlerisch interessant ist. Ich suche Aspekte, die es vorher noch nicht gegeben hat und wie ich damit die Grenzen der Bildhauerei ein wenig verschieben kann.“

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Palmen und Pinien bilden den Rahmen für die Skulpturen und die ehemalige Fabrik. Venet, der fast fünf Jahrzehnte in New York lebte, bezeichnet seine Grundkonzeption als „unbestimmte Linien“

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Eingebettet in eine romantische Parklandschaft im Süden Frankreichs …

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… liegt die Mühle aus dem 16. Jahrhundert, die Teile der Sammlung Bernar Venets enthält sowie seine Privaträume

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Sorgt für kräftiges Rauschen: Die Endre, ein 29 Kilometer langer Fluss in der Provence. In dem kleinen Ort Le Muy erstreckt sich zu beiden Uferseiten der fünf Hektar große Park der Bernar Venet Stiftung

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Ein Tunnel mit „Aha-Effekt“: Durch den hallenden Gang aus rostrotem Corten-Stahl gelangt der Besucher über den Fluss Endre, der an der fünf Hektar großen Parkanlage entlangrauscht

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Der Tunnel von innen: „Wenn die Sonne im richtigen Winkel steht, glitzern im Inneren Hunderte Lichtsprenkel“, beschreibt Bernar Venet die von Löchern durchsiebten Wände

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Im Atelier von Frank Stella begeisterten Bernar Venet sechs imposante Wandreliefs: „Ich hatte einen Riesenrespekt vor ihm, er war schon damals ein Gigant. Ich habe eine Zahl auf einen Zettel geschrieben, Stella addierte 40 Prozent, und ich kratzte die Summe innerhalb eines Jahres zusammen.“

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Jetzt sind die Reliefs Teil dieser Kapelle im Skulpturenpark und Stella der beste Freund Venets

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„Die Sammlung repräsentiert die Geschichte unserer Leben“, sagt Venet über die hier gezeigten Werke – seine eigenen und die seiner Künstlerfreunde, die allesamt unverkäuflich sind

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„Es gibt viele Menschen, die den Zugang zur Kunst erst im öffentlichen Raum erleben und mit Freude entdecken, was zeitgenössische Kunst ist und kann.“

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Ein Neuzugang: Dieses Kunstwerk wird seinen Platz im Skulpturenpark noch finden

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Larry Bell: Something Green, 2017, Laminiertes Glas, 244 x 1219 x 244 cm

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Robert Morris: Labyrinth, 2012, Maschendrahtzaun, 213 x 1371 x 427 cm

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Ein Werk aus Eisenketten des mittlerweile verstorbenen, französischen Künstlers Arman, einem engen Freund Bernar Venets – im Hintergrund die Mühle aus dem 16. Jahrhundert

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Giganten aus Stahl: Das größte Werk im Skulpturenpark stammt von Bernar Venet selbst

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Die Baumstämme werden in China mit einer Bleilegierung gefertigt, jeder ist sechs Tonnen schwer. Seine Werke werden aber auch in Frankreich und Ungarn produziert

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Es ist angerichtet: Ein Lunch mit Freunden an einem perfekten Sommertag in Südfrankreich

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Bernar et moi: Merci beaucoup!

Kontakt Bernar Venet:

bernarvenet.com

 

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