H.P. Baxxter: Hyper, hyper auf Ostfriesentee


Wer: H.P. Baxxter, Frontman von Scooter
Wo: Berlin

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Meet me for Tea mit H.P. Baxxter, dem Frontman der weltweit erfolgreichen Techno-Band Scooter

Seit 25 Jahren mischt er die Techno-Szene auf wie kein anderer: H.P. Baxxter und seine Band Scooter. Wenn der gebürtige Ostfriese, der im wahren Leben Hans Peter Geerdes heißt, die Bühne betritt und „Hyper, Hyper“ und „How much is the fish“ brüllt, gibt es kein Halten mehr. Dann tobt die Masse und 13.000 Fans aller Altersklassen im ausverkauften Berliner Velodrom geraten in fröhliche Ekstase. Wer ihn kennenlernt, ist mitunter überrascht: H.P. Baxxter, der für seine Hits das Shouting – also das Brüllen – erfunden hat, ist privat eher zurückhaltend ruhig und dabei ausgesprochen höflich. Meet me for Tea mit dem wasserstoffperoxid-blonden Erfolgsmusiker und einer kräftigen Ostfriesenmischung in der Tasse.

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H.P. Baxxter bevorzugt Ostfriesentee, eine sehr kräftige Mischung aus Assam, Ceylon und einer Prise Darjeeling. Sein Tipp: Den Tee mit Sahne und Kandis verfeinern

MyStylery: Erzählt sich der Ostfriese eigentlich pausenlos Ostfriesenwitze?
H.P. Baxxter (lacht): Der Ostfriese trinkt Tee, aber das mit den Witzen stimmt nicht.
MS: Du bist begeisterter Teetrinker seit Kindertagen. Was hat Dich auf den Geschmack gebracht?
HPB: Solange ich mich zurück erinnern kann, gab‘s bei uns nach dem Mittagessen Tee. Ich dachte, das sei überall auf der Welt so. Morgens zum Frühstück schwarzen Tee, nachmittags auch gerne mit Freunden ein Tässchen und dann zum Abendbrot. Schwarzer Tee hat mich auch nie am Einschlafen gehindert.
MS: Tee ist also stark mit Deinen Kindheitserinnerungen verknüpft…
HPB: Genau. Als Kind habe ich gerne bei meiner Omi übernachtet. Da durfte ich länger aufbleiben. Und es war Brauch, dass wir direkt vorm Schlafengehen in ihrer Küche gesessen haben und schwarzen Ostfriesentee tranken, allerdings mit viel Kandis und Sahne.
MS: Das erinnert an englische Trinkgepflogenheiten…
HPB: Ich nehme auch gerne mal PJ Tips-Teebeutel aus England. Vor allem, wenn wir im Studio sind und die Muße fehlt. Immerhin gibt es dort Teebecher mit dem Konterfei der Queen und von Prince Charles (lacht). Zuhause trinke ich besonders gerne die Mischung „Bünting Privat Ostfriesentee“. Das ist ein sehr hochwertiger Tee, was bei der eher mäßigen, sehr kalkhaltigen Wasserqualität Hamburgs wichtig ist. In Ostfriesland ist das Wasser viel weicher. Kaffee trinke ich äußerst selten, zum Beispiel am Sonntagnachmittag zur Käsesahnetorte.

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Ich und H.P. Baxxter in seiner Suite im Berliner Hotel Adlon

MS: Nennt Dich eigentlich noch jemand Hans-Peter?
HPB: Ja, meine Mutter. Meistens. Manchmal sagt sie HP. Der Name Hans-Peter war für mich als Kind ein Problem. Ich war heilfroh, als mein Chemielehrer in der 11. Klasse auf die Idee kam, mich „HP“ zu nennen. Ich vermute, die Idee kam ihm durch die TV-Serie Dallas und dem Bösewicht JR. (lacht)
MS: Checkst Du im Hotel unter dem Namen Geerdes oder Baxxter ein?
HPB: Wenn ich mit der Band offiziell unterwegs bin, immer unter Baxxter. In so einem Moment werde ich sauer, wenn da Hans-Peter Geerdes steht. Das ist privat und kommt zum Einsatz, wenn ich für Zuhause einen Handwerker bestelle. Obwohl ich anfangs immer lachen musste, wenn mein Manager an der Rezeption fragte, ob denn die Suite für Herrn Baxxter schon fertig ist. Im Restaurant bekomme ich auch den besseren Tisch, wenn ich als Baxxter bestelle.
MS: Nervt Dich Deine Popularität manchmal?
HPB: Wenn ich gestresst bin, auf dem letzten Drücker am Flughafen und ausgerechnet dann in einen Junggesellenabschied gerate, wo ich um Selfies und Autogramme gebeten werde, dann ist das anstrengend. Andererseits natürlich auch ein Indikator dafür, dass man noch stattfindet.

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„Die Tassen von KPM würden sich auch gut bei mir zu Hause machen“, findet H.P. Baxxter

MS: Seit 1993 ist Scooter Deutschlands erfolgreichste Band. Dieses Jahr habt Ihr 25jähriges Jubiläum. Du bist noch das einzige Gründungsmitglied. Eigentlich könntest Du Dich doch auch gemütlich zurücklehnen.
HPB: Die Musik war immer mein Leben, was ich nie als Arbeit betrachtet habe, sondern immer als großes Vergnügen.
MS: Dir muss immer wieder etwas Neues einfallen…
HPB: Wie die Kooperationen mit Vicky Leandros oder Status Quo, die sich meistens spontan ergeben. Früher sind wir nach jeder Tour sofort wieder ins Studio gegangen und haben weiter gearbeitet. Klar gab’s da Phasen, in denen uns nichts mehr einfiel. Wir haben uns dann ein dreiviertel Jahr Auszeit gegönnt. Eine kreative Pause, sozusagen. Warum haben wir das nicht öfters schon gemacht, frage ich mich.
MS: Mit dem Aus der „Love Parade“ sahen einige auch das Ende der Techno-Ära. Ist Techno überhaupt noch zeitgemäß?
HPB: Techno hat sich sehr verändert, aber ist immer noch ein Thema. Und das nun schon seit mehr als 30 Jahren. Es gibt ja verschiedene Strömungen wie Minimal oder Electro House. In den Clubs auf Ibiza wie dem Pacha werden genau die Beats wieder gespielt. Der Sound der gigantischen Open Air Festivals hat seine Wurzeln letztendlich auch im Techno.

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H.P. Baxxter ist auf dem Boden geblieben: „Es war ein Glücksfall, dass wir so lange ohne Erfolg geschuftet hatten. Als sich der Erfolg dann einstellte, kam uns das nicht selbstverständlich vor.“

MS: Wie erklärst Du Dir den großen Erfolg von Scooter ausgerechnet im Ausland, in Skandinavien oder Russland?
HPB: In Russland sicher mit den damaligen politischen Umständen und der Euphorie durch den Fall des Eisernen Vorhangs und der Mauer. Unser Sound war und ist die Verbindung zwischen Ost und West. Die russischen Fans sind zudem sehr treu. Die haben uns in ihrer Jugend gehört und tun das heute immer noch. Und Jüngere kommen nach.
MS: Kinder wollen gerne Lokomotivführer oder Astronaut werden. Du hast von einer Karriere als Musiker geträumt.
HPB: Ich war total fasziniert von der Zeit des Glamrocks in den 70ern, von Bands wie Sweet und T. Rex. Das Highlight der Woche waren für mich im Fernsehen Beatclub oder Disco mit Ilja Richter. Mit 14 hatte ich meine erste Schülerband. In meiner Heimatstadt Leer gab es niemanden, der das so ernst genommen hat, wie ich. Einigen fehlte die Disziplin, dreimal die Woche zu proben. Für sie war das nur hobbymäßiges Rumklimpern. Da stand ich dann manches Mal allein mit meiner Gitarre.
MS: Kannst Du eigentlich richtig singen? Im Kirchen- oder Schulchor bist Du nie gewesen, oder?
HPB: Nee. Da habe ich mich immer verweigert. Mein Gesang, das Shouten, war die Eingebung einer spontanen Idee. Ich hatte mich eigentlich als großen Gitarristen gesehen. Als ich anfing, mich für elektronische Musik und New Wave zu interessieren, wie Depeche Mode oder Simple Minds, konnte ich mit meiner Gitarre nichts werden. Also habe ich umgesattelt auf Sänger, obwohl ich zuvor noch nie gesungen hatte. Der Vorteil der 80er war, dass alle schief sangen. Ausdruck und Bühnenpräsenz waren entscheidend. So wurde ich Frontman und wenig später gründeten wir Scooter.

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H.P. Baxxter hat eine Vorliebe für die englische Lebensart: „Letztes Jahr habe ich mir einen Traum erfüllt und bin mit dem Oldtimer durch die Highlands gefahren, in alten Schlössern abstiegen und habe abends am Kamin schottischen Whisky getrunken.“

MS: Viele Musiker nehmen Drogen. Wie schafft man es, davon die Finger zu lassen?
HPB: Ich gucke gerade auf Netflix die Serie Narcos. Wahnsinn, wenn man sich vorstellt, wieviel Tonnen Koks allein der Pablo Escobar-Clan verschifft hat und in welchem Ausmaß die Leute immer schon gekokst haben. Für mich war das nie ein Thema, auch wenn ich mir manchmal vorkam, wie das doofe, ahnungslose Landei. Manchmal bedaure ich, dass ich nie so ganz Rock’n’Roll war, keiner, der einfach mal alle Konventionen gesprengt hat. Ich habe nicht dieses selbstzerstörerische Gen einer Amy Winehouse. Ich bin dafür einfach zu konservativ.
MS: Und Du lebst ja in Deinem Landhaus auch so. Warst Du schon immer so anglophil?
HPB: Als Kind habe ich englische Serien geliebt, „Captain Weasel“, „Das Haus am Eaton Platz“, „Der Doktor und das liebe Vieh“. Die gediegene englische Lebensart hat mir schon immer gut gefallen. Rockmusiker wie Mick Jagger lebten damals wie englische Landlords, fuhren Rolls Royce und waren einfach cool. Mit 16 war ich das erste Mal in England, wo ich mit einem Kumpel eine Fahrradtour bis nach London gemacht habe. Das hat mich umgehauen.
MS: Einige legen das als kleinbürgerlich-biedere Lebensart aus. ‚HP und seine spießigen Antilopen‘ hieß es mal in einem Artikel über Dich.
HPB: Viele haben dieses Schubladendenken. Muss ein Musiker immer in einem minimalistischen Industrie-Loft wohnen? Ich breche gerne mit dem Konventionellen. Ich betrachte Gnu, Tiger oder Zebra nicht als Jagdtrophäen, mit denen ich mich schmücke, sondern als Teil meines Einrichtungskonzeptes. Ich liebe dieses Skurrile.
MS: Und das findest Du in Hamburg-Duvenstedt? Warum wohnst Du nicht in Berlin?
HPB: Ich brauche das Ländliche als Ausgleich. Ich bin selten genug zu Hause. Letztes Jahr war ich monatelang nur unterwegs. Ich genieße es total, fünf Abende hintereinander am Kamin zu sitzen, Serien zu gucken und meinen Tee zu trinken!

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„Ich brauche das Ländliche als Ausgleich und genieße es total, fünf Abende hintereinander am Kamin zu sitzen, Serien zu gucken und meinen Tee zu trinken“, erzählt H.P. Baxxter

MS: Dein Werdegang ist interessant: Du warst Jurastudent in Hannover…
HPB: Das war die einzige Möglichkeit, aus der Kleinstadt rauszukommen. Immerhin war ich drei Wochen an der Uni. (lacht) Ich habe mich dann für eine kaufmännische Lehre entschieden, zweieinhalb Jahre in einem Dentalgroßhandel. Eine Ausbildung als Berufsgrundlage kann ich nur jedem empfehlen.
MS: Hättest Du je vermutet, dass Du außerdem als Juror von DSDS und X-Factor sowie Gastauftritten in „Alarm für Cobra 11“ und „Großstadtrevier“ im Fernsehen präsent bist?
HPB: Nee und ich werde sicher nicht als Schauspieler durchstarten. Das waren keine Charakterrollen. (lacht) Eher Kurzauftritte, wo ich sagte: „How much is the fish“. Aber es macht Spaß, sich mal auf etwas Neues einzulassen.
MS: Du warst ja zweimal verheiratet. Wird es ein drittes Mal geben?
HPB: Dreimal ist Ostfriesenrecht, heißt es bei uns. Ich würde deshalb nichts ausschließen. Ich glaube dabei auch an Schicksal und mache nichts zwanghaft.
MS: Du bist ein Familienmensch mit engem Kontakt zu Deiner Mutter und den Kindern Deiner Schwester. Bedauerst Du es, keine eigenen Kinder zu haben?
HPB: Es hat sich einfach nicht ergeben. Manchmal finde ich’s schon schade, nicht einen Sohn zu haben, mit dem ich heute um die Häuser ziehen könnte.

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„Mein persönlicher Tick? Autos. Da setzt bei mir alles aus. Das ist meine größte Leidenschaft nach der Musik. Ich habe vier Oldtimer, zwei alte Jaguar, einen Rolls Royce und einen lindgrünen Bentley.“

MS: Fühlst Du Dich ein bisschen allein in Deinem großen Haus? Du hast ja noch nicht mal Haustiere, bei Dir hängen nur diese ausgestopften Dinger rum.
HPB: Ja, das ist so. Da muss ich dann manchmal mit meinem Gnu reden. (lacht) In meiner Zeit als Single gab’s schon den einen oder anderen einsamen Moment. Aber ich lebe ja seit eineinhalb Jahren in einer neuen Beziehung.
MS: Deine Freundin ist 26 Jahre jünger als Du. Nicht gerade ein geringfügiger Altersunterschied…
HPB: Es macht einen Unterschied, ob deine Partnerin 18 oder 28 ist. Eine gewisse Lebenserfahrung ist sicher nicht von Nachteil. Meine vorherige Partnerin war so alt wie ich, von der ich glaubte, dass sie mit ihrer Reife das Leben kennt. Alles ganz entspannt, dachte ich. Das Gegenteil war der Fall. Ich brauche eine Frau an meiner Seite, die auch Power hat, gerne mal ausgeht und über eine gewisse Eigenständigkeit verfügt.
MS: Wie wichtig ist die Begegnung auf Augenhöhe durch ähnliche Erlebnissen und Erfahrungen? Du kannst auf Dinge zurückblicken, da war Deine Freundin noch gar nicht geboren.
HPB: Ja, da gebe ich Dir Recht. Aber nach drei Jahren redest du darüber auch nicht mehr. Gemeinsame Interessen finde ich viel entscheidender.
MS: Apropos Zukunftsplanung: Scooter und kein Ende in Sicht?
HPB: Ich mache das so lange, wie es wirklich Spaß macht, die Hütte voll ist, die Leute richtig abfeiern und sich alles gut anfühlt. Es war ein langer Weg, bei den großen Mainstream-Festivals wie Highfield auftreten zu können. Discos abzuklappern mit meinen Hits, die ich vor 30 Jahren gespielt habe, wäre nicht meine Welt. Ich glaube, ich falle irgendwann einfach auf der Bühne um.  BvH

Info H.P. Baxxter und Scooter:

Keine deutsche Band hatte je so viele Top-Ten-Hits wie Scooter. Mit 30 Millionen verkauften Tonträgern in über 50 Ländern ist Scooter die erfolgreichste deutsche Band überhaupt. Bandmitglieder sind Michael Simon, Phil Speiser und H.P. Baxxter, der seit der Gründung Scooters 1993 dabei ist.

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13.000 Fans – und ich – beim Scooter-Konzert im Berliner Velodrom Mitte Februar

Termine für die Jubiläumstour „100% Scooter – 25 Years Wild & Wicked Tour“:

 

Fr            17.08.2018          Hamburg (Trabrennbahn Bahrenfeld)

Sa           18.08.2018          Dresden (Elbufer)

Sa           25.08.2018          Beverungen (Weserufer)

Die Interview-Reihe „Meet me for Tea“ wird gesponsort von KPM – Königliche Porzellan Manufaktur Berlin.
Weitere MyStylery-Interviews findest Du hier.

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