Tom Jacobi-Ausstellung „Into the Light“


Was: Gallery Weekend in Berlin und Ausstellung „Into the Light“
Wer: Tom Jacobi, Fotograf

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„Das Bild mit den Eisblasen ist auf dem See „Lake Abraham“ in Kanada entstanden. Trotz der Warnungen des Lodge-Besitzers bin ich auf den See mit seinem fast schwarzen Eis gegangen. Das Bild ist ziemlich abstrakt, könnte auch Popart sein“, erzählt Tom Jacobi

Es ist Gallery Weekend in Berlin! Bereits in der vergangenen Woche eröffnete der Hamburger Fotograf Tom Jacobi seine Ausstellung „Into the Light“ in der Charlottenburger Galerie SR Contemporary Art. Einige seiner großformatigen, schwarz-weiß Fotografien wurden vom Pariser Luxuslabel Hermès auf Seide gedruckt, was bislang einzigartig ist. Tom Jacobi war Modefotograf und Art Director des Magazins „Stern“. Seine Leidenschaft für das Fotografieren hätte er dabei fast verloren.

MyStylery: Glückwunsch zu Deinem Coup mit Hermès! Wie kam es dazu?
Tom Jacobi: Fotos auf Papier machen ja alle und so kam mir die Idee, auf Stoff zu drucken, da ich ja auch immer einen Bezug zur Natur suche. Seide war ein naheliegender Gedanke. Es folgten Gespräche und Tests und Hermès gab mir eine unverhoffte Zusage. Nun werden die Bilder auf Originalseide von Hermès in Frankreich produziert.
MS: Wie alt warst Du, als Du das erste Mal eine Kamera in der Hand gehalten hast?
TJ: 14 oder 15. Ich bekam eine Novoflex geschenkt und fotografierte die Katze auf dem Fensterbrett und Sonnenuntergänge.

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Tom Jacobi: Peaceful Mind

MS: Kam Dir damals schon die Idee, Fotograf zu werden?
TJ: Erst mit 17, als ein Foto von mir in einem Buch veröffentlicht wurde. Es zeigte einen Kendo-Meister beim japanischen Schwertkampf. Ein Sport, den ich damals auch selber praktiziert habe. Wenn man zum ersten Mal ein Bild von sich auf Papier gedruckt sieht, das ist eine Magie, die ich heute noch spüre.
MS: Druckst Du private Fotos noch aus?
TJ: Oh ja, ich habe einen schweren Fehler gemacht, als ich meiner Frau zu ihrem ersten Geburtstag nach unserem Kennenlernen ein Fotoalbum geschenkt habe, mit selbst eingeklebten Fotos, kreierten Layouts und handschriftlichen Kommentaren. Seitdem bin ich dazu verdonnert, unser gesamtes Privatleben und Reisen in altmodischen Fotoalben zu dokumentieren. (lacht)

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Tom Jacobi: Black Line

MS: Dein Vater war der legendäre Journalist Claus Jacobi, Chefredakteur von Spiegel, Stern und BILD-Zeitung. Hat Dich das davon abgehalten, selber in den Journalismus zu gehen?
TJ: Total. Ich hätte mich ja dem ständigen Vergleich ausgesetzt. Durch meine Freundschaft zu Sven Simon, dem Sohn von Axel Springer, kam ich nach Bonn und arbeitete dort in seiner Fotoagentur. Ich habe in erster Linie Politiker fotografiert, zum Beispiel Willy Brandt, Helmut Schmidt und Helmut Kohl. Später war ich als Fotograf für den „Stern“ unterwegs. Mit allen Risiken. Während einer Reportage im Iran hat man mich an die Wand gestellt und wollte mich erschießen, da ich für einen Spion gehalten wurde.
MS: War das der Grund, dass Du 14 Jahre lang gar nicht mehr fotografiert hast?
TJ: Nein, das entwickelte sich in meiner Zeit als Mode und Werbefotograf. Dieses kommerzielle Arbeiten und die Wünsche der Kunden, den Mantel von links oder doch lieber von rechts zu shooten, das Auto von oben oder unten, hat mir die Leidenschaft damals komplett ausgetrieben. Und was nützt ein gutgefülltes Bankkonto, wenn jede Kreativität flöten geht. Ich war damit einfach nicht mehr glücklich und habe sogar alle meine Kameras verkauft, weil ich überzeugt war, dass ich nie wieder fotografieren würde.

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Tom Jacobi: The Majestic

MS: Jetzt bist Du wieder mit der Kamera unterwegs. Für die aktuelle Ausstellung „Into the Light“ sogar zwei Jahre rund um den Globus, zusammen mit Deiner Frau Kati.
TJ: Das war eine spannende Zeit, auch für uns als Paar. Wir sind wahnsinnig gern zusammen. Kati hat auch großen Einfluss auf das, was ich fotografiere. Sie ist mein Korrektiv. (lächelt) Man wird demütig, wenn man in der Weißen Wüste Ägypten unterwegs ist, dort mit zwei Beduinen campt, ohne sich groß um Sicherheit Gedanken zu machen. Im Nachhinein betrachtet war es riskant.
MS: Es kommt vor, dass Du fünf Stunden auf einer Klippe sitzt, um auf das richtige Licht zu warten. Was ist das richtige Licht, der richtige Moment?
TJ: Das kann ich nicht sagen. Es ist ein Gefühl. Meine Arbeit hat viel mit Geduld und Disziplin zu tun, oft warte ich tagelang auf den passenden Moment, obwohl ich die Motive zuvor ja sehr genau recherchiert habe.

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Tom Jacobi und ich vor einem Foto in der Charlottenburger Galerie SRC, das eine riesige Salzwüste in Bolivien in 4.000 Meter Höhe zeigt: Nur während der Regenzeit steht das Wasser auf dem Salz und erzeugt damit diesen perfekten Spiegeleffekt

MS: Du bist häufig fernab von allem. Wie erträgst Du Stille?
TJ: Ich mag das sehr gerne. Stille kann nicht jeder aushalten. Ich wurde mal von einem Freund begleitet, der schon nach kurzer Zeit nervös wurde, was mich wiederum gestresst hat. In dem Moment habe ich beschlossen, niemanden mehr mitzunehmen. Ich bin da komplett eins mit mir, das hat etwas sehr Kontemplatives.
MS: Gab es auf Deiner Reise eine gefährliche Situation?
TJ: Als Fotograf ist man auch immer ein Jäger, der Risiken eingeht. In Island wollte ich zu einem Wasserfall, wobei ich mehrfach über vereiste Fläche gestürzt bin und einen Abhang runterrutschte. Eine Einöde ohne Handynetz oder die Chance, gefunden zu werden. Danach habe ich mir ein satellitengestütztes Notrufsystem zugelegt. Denn wegen eines gebrochenen Knöchels zu sterben, ist doch ziemlich unnötig. BvH

Ausstellung „Into the Light“

Bis 20. Mai sind die Arbeiten Tom Jacobis in der Galerie SR Contemporary Art, Niebuhrstraße 11a in Berlin-Charlottenburg zu sehen

Kontakt Tom Jacobi

tomjacobi.de

 

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There are 2 comments for this article
  1. Carmen
    at 20:33

    Liebe Birgit,
    wie immer, habe ich Dein Interview mit sehr viel Interesse gelesen.
    Die großformatigen Bilder gefallen mir sehr. Zu dem Foto aus der Salzwüste habe ich einen persönlichen Bezug. Meine Nichten waren gerade in Bolivien und haben von dort aus der Salzwüste wunderschöne Fotos gemacht. Es gibt so viele schöne Flecken auf unserer Erde und ich finde es immer wieder faszinierend wie Fotografen besondere Eindrücke mit der Kamera festhalten können. Dazu braucht man einen besonderen Blick. Schade, dass das Interview so kurz war. Ich hätte gerne noch mehr erfahren. Danke!
    Liebe Grüße
    Carmen

    • at 09:18

      Liebe Carmen,
      die Salzwüste Boliviens muss ein großartiges Erlebnis sein. Toll, wenn man die Gelegenheit, sie zu besuchen.
      Danke für Deine Treue und herzliche Grüße
      von Birgit

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