Ein perfekter Tag in Leipzig


Was: Meine persönlichen Lieblings-Tipps für Sightseeing und mehr in Sachsens Kult-Metropole
Wo: Leipzig

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Was für eine Pracht! Das Alte Rathaus ist exemplarisch für die Renaissance-Architektur in der Leipziger Innenstadt. Das zweistöckige Gebäude stammt aus dem Jahr 1556

Warst Du schon mal in Leipzig? Nein? Dann nichts wie hin! Mein letzter Besuch der sächsischen Metropole lag eine gefühlte Ewigkeit zurück. Umso begeisterter war ich, als ich Leipzig letztes Jahr anlässlich des alljährlichen Bach-Festes besuchte, das diesen Sommer Corona*-bedingt leider ausfallen musste. Leipzig ist kulturell, grün und vielseitig. Eine Stadt mit Wow-Effekt.

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„Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute“, sagte einst Johann Wolfgang von Goethe, der fast drei Jahre Jura in Leipzig studierte, woran das Goethedenkmal auf dem Naschmarkt vor der Alten Handelsbörse erinnert

„Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah“ wusste schon einst Johann Wolfgang von Goethe, Deutschlands großer Dichter und Denker. Als Jura-Student verbrachte er zwar nur drei Jahre hier, immerhin inspirierte Leipzig ihn zu der großen Tragödie „Faust“. Goethes Stammkneipe war „Auerbachs Keller“, wo heute noch nach Originalrezept „Leipziger Allerlei“ serviert wird. Das legendäre Keller-Restaurant ist auch beliebter Anlaufpunkt großer Reisegruppen. Ich bevorzuge Lokale, in denen man echte Leipziger trifft.

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Mein Restaurant-Tipp für Leipzig ist die „Weinwirtschaft“ am Thomaskirchhof

Zum Beispiel die „Weinwirtschaft“ am Thomaskirchhof. Ich bestelle einen köstlichen Flammkuchen mit Rucola und Mozzarella (16 Euro) und genieße den Blick auf die gegenüberliegende, romanisch-neugotische Thomaskirche. Sie ist berühmt für den Thomanerchor und ihren einstigen Kantor und Komponisten Johann Sebastian Bach. Konzert-Tipp: Freitags um 18 und samstags um 15 Uhr probt der Weltklasse-Chor Bach-Motetten (Eintritt: zwei Euro).

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Elefanten zieren das Eingangsportal eines der schönsten Cafés in Leipzig: Das Kaffeehaus Riquet wurde 1908 erbaut und erinnert mit den gewählten Stilelementen an die lang zurückreichende Handelsgeschichte der Firma mit Asien und dem Orient

Leipzigs Kaffeehauskultur ist legendär. Im Café „Kandler“ unbedingt die „Leipziger Lerchen“ – ein mit Erdbeerkonfitüre oder Marzipan gefülltes Mürbeteigtörtchen – probieren. Einst erfunden als Ersatz für Lerchen-Pasteten, nachdem die Jagd auf die Singvögel 1876 verboten wurde. Mein Favorit ist das traditionelle Kaffeehaus „Riquet“ mit dem von monumentalen Stein-Elefanten flankierten Eingangsportal. Unter schwerem Gründerzeitgebälk und goldenen Art Déco-Leuchtern serviert mir eine nette Kellnerin die wohl beste Eisschokolade mit frischgeschlagener Sahne (4,30 Euro). Der Service ist übrigens überall in Leipzig ausgesprochen aufmerksam und freundlich – eine Wohltat, wenn man den oft ruppig-rauen Tonfall Berlins gewohnt ist.

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Die Katharinenstraße mit ihrer behutsam sanierten, klassizistischen Sandsteinarchitektur

Die behutsam sanierte Altstadt ist es, die einen mit ihren üppigen Jugendstilfassaden, der klassizistischen Sandsteinarchitektur und den Stadtpalais in feinstem Barock verzaubert. Kultur und Shoppen lassen sich hier bestens miteinander kombinieren, denn viele der Sightseeing-Highlights wie Altes Rathaus und Börse liegen in unmittelbarer Nähe zu Einkaufsmeilen wie der Grimmaische Straße oder der eleganten Mädlerpassage. Ihr Erbauer, der Kofferfabrikant Anton Mädler, wollte damit 1912 die Mailänder Eleganz der „Galleria Vittorio Emanuele“ nach Leipzig holen. Ich schlendere weiter durch die Passage Specks Hof, bewundere die drei glasbedachten Innenhöfe und staune über die mit Stuck und Erkern verzierten Barthels-, Webers- und Jäger-Höfe, in die man über die Hainstraße gelangt.

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Über die Hainstraße gelangt man in herrliche Innenhöfe wie hier dem Webershof

Den besten Panoramablick auf Leipzig hat man von der Dachterrasse des 142 Meter hohen Cityhochhauses am Augustusplatz (Eintritt drei Euro). Klassikfans sollten sich einen Besuch des Leipziger Opernhauses und des Gewandhauses nicht entgehen lassen, dessen berühmte Dirigenten einst Felix Mendelsohn Bartholdy und Kurt Masur waren. Einen herrlichen Blick genießt man auch vom Völkerschlachtdenkmal, dem „Völki“, das mit seinen 91 Metern zu den höchsten Denkmälern Europas zählt.

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Johann Sebastian Bach war 27 Jahre lang Organist, Kapellmeister, Komponist und Chorleiter in Leipzig. Sein Denkmal steht vor der berühmten Thomanerkirche

Wer nun entspannen möchte, leiht ein Boot am Stadthafen und paddelt den Karl-Heine-Kanal hinunter: Im Café „Kanal 28“ anlegen und die Schrebergarten-Atmosphäre direkt am Wasser genießen. Auch die Weiße Elster, Elsterflutgraben und Elstermühlgraben lassen sich per Bootstour erkunden.

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Ausflugsziel Cospudener See: Mit dem Taxi (ca. 25 Euro vom Stadtzentrum) fahre ich durch den eleganten Villenvorort Markkleeberg. Nach 15 Autominuten erreiche ich das herrliche Kunst-Reservat, einst entstanden auf ehemaligem Tagebaugelände. Der Cospudener See lädt ein zum Baden, Segeln, Stand-up-Paddling

Zum Sonnenuntergang  geht’s an den Cospudener See. Wo einst trister Braunkohletagebau die Landschaft (und die Umwelt) dominierte, ist vor 20 Jahren Leipzigs Naherholungsgebiet mit einer einzigartigen Seenlandschaft entstanden, die teils über Kanäle bis in die Stadt hinein führen. Am Ende von „Pier 1“ liegt das Restaurant „Sole mio Seeterrassen“ mit einem Rundumblick auf’s Wasser. Die Dorade mit Grillgemüse (20 Euro) ist köstlich, der Blick auf Jachthafen, Strand, Surfschule und Ausflugsdampfer malerisch. (Buslinien 65 und 79, Mai bis September).

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Schick Shoppen in der Mädler-Passage

Und wo gibt es noch den Charme des Unfertigen? Zum Beispiel in Plagwitz und in Lindenau, dem Leipziger Westen. Nördlich der Karl-Heine-Straße werden angestaubte Ladengeschäfte entrümpelt, Cafés eröffnet und Gemeinschaftsgärten gejätet. Weiter südlich hat sich in einer ehemaligen Baumwollspinnerei ein Künstlerzentrum mit Galerien etabliert. Ein beliebtes Szene-Viertel ist die Südstadt mit der Karl-Liebknecht-Straße. Ein wenig DDR-Nostalgie liegt über der „KarLi“ und doch mehr Multikulti in Kneipen, Cafés und Restaurants. Auf dem Gelände des ehemaligen VEB Feinkost finden Open Air Theater und Sommerkino statt. Und bei „Mrs. Hippie“, dem kultigen, 1993 gegründeten Fashion-Label gibt es bunte Mode made in Leipzig.

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Leipzig bei Nacht: Am Abend werden die historischen Fassaden der Innenstadt in Szene gesetzt

Zurück im Zentrum umgehe ich die bei Touristen beliebte Kneipenmeile „Drallewatsch“ (sächsisch für „um die Häuser ziehen“) mit ihren Restaurants und Bars rund um das Barfußgässchen. Stattdessen nehme ich noch einen Absacker in der Hotel-Bar des „Motel One“ (DZ ab 84 Euro) und schaue dabei auf die gegenüberliegende Nikolaikirche. Sie ist nicht nur die größte Kirche Leipzigs, sie ist die Geburtsstätte der damaligen, friedlichen Revolution im geschichtsträchtigen Wendeherbst 1989. Darauf stoße ich an. BvH

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Im ehemaligen Messehaus der Handwerker residiert seit 2011 das Luxushotel Steigenberger Grand Hotel Leipzig mit einer sehr guten Bar und der Brasserie Le Grand, wo der Gast zwischen Menüs und à la Carte-Gerichten wählt. Die Küche unter der Leitung von Küchenchef Sandy Bohm ist zurecht preisgekrönt: Mein Rindertatar (19,90 Euro) und die Boullaibaise (14 Euro) waren hervorragend

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Die elegante Passage Specks Hof…

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…mit einem der drei glasbedachten, kunstvollen Innenhöfe

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Barocke Pracht in Leipzigs Innenstadt

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Die Alte Handelsbörse befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft…

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…zum Alten Rathaus…

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Mit unzähligen Galerien, Museen, bedeutenden Konzerthäusern und der historischen Architektur ist Leipzig ein wahres Eldorado für Kunstliebhaber

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Die Thomaskirche in abendlichem Licht kurz vorm Konzertbeginn

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In Leipzig sammelte Goethe erste Ideen für seinen „Faust“ und setzte mit seiner Dichtung auch dem „Auerbachs Keller“ – einer Lokalität, in der er gern zechte – ein Denkmal

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Zum Essen fahre ich lieber zur „Pier 1“ ins Restaurant „Sole mio Seeterrassen“, genieße hier den Rundumblick auf’s Wasser und den Jachthafen

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Tipp: Die Dorade mit Grillgemüse (20 Euro) ist köstlich

Tipps für Leipzig

Übernachten: Hotel Arcona Living Bach, DZ ab 100 Euro; Innside Meliá ab 91 Euro

Essen: „Café Barbakane“ auf der historischen Stadtbefestigung in der Moritzbastei (Hackfleischpfanne mit Gemüse und Kartoffeln 6,80 Euro).

Anreise: Zum Beispiel von Berlin 1 Stunde mit der Bahn (2. Klasse ab 60 Euro)

Sightseeing: mit Hop-on, hop-off, 2-stündige Stadtrundfahrt  durch Leipzig, die wichtigen Sehenswürdigkeiten an zehn Haltepunkten, ein- und aussteigen, wie man möchte (ab 15 Euro)

*Die hier genannten Öffnungszeiten, Preise etc. können bedingt durch die derzeitig notwendigen Maßnahmen in der Corona-Pandemie eingeschränkt oder geändert worden sein.

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